GRÜNENTHAL betont, dass das Unternehmen insgesamt 114 Millionen DM in die Stiftung eingezahlt habe. Und weiter: "Neutrale Sachverständige hatten den Betrag von 84 Millionen DM als maximal wirtschaftlich vertretbar für GRÜNENTHAL attestiert, ohne die Existenz des Unternehmens nachhaltig zu gefährden. Möglich wurde die Zahlung nur durch den persönlichen Beitrag der Familie Wirtz."

Die Summe vom 100 Mio. DM zuzüglich Zinsen war ursprünglich nicht für eine Stiftungslösung gedacht, sondern sollte – im Rahmen eines außergerichtlichen Vergleichs zwischen GRÜNENTHAL und den Eltern der contergangeschädigten Kinder – direkt an die betroffenen Familien fließen.

Es ist bezeichnend, dass das Unternehmen diesen Vergleich mit keiner Silbe erwähnt. Nach dem Motto: "Der Schädiger stellt die Forderungen an den Geschädigten" war es Bedingung des Unternehmens, dass nur diejenigen Familien Entschädigungsleistungen erhielten, die zuvor eine Verzichtserklärung in Hinblick auf weitere Schadenersatzansprüche unterzeichneten.

Da jedoch nicht alle Eltern unterschrieben haben, gab es auch weiterhin ein Prozessrisiko für GRÜNENTHAL. Denn durch den Umstand, dass das Gericht eine Kausalität zwischen der Contergan-Einnahme und den Nervenschäden sowie Missbildungen als gesichert ansah, hatten potenzielle Kläger im Rahmen eines Zivilprozesses gute Erfolgsaussichten.

Zwischenzeitlich wurde nun von Seiten des Gesetzgebers ein Stiftungsgesetz installiert, das das Unternehmen vor den möglichen Regressansprüchen aller betroffenen Eltern sicherte – auch vor denen, die die oben erwähnte Verzichtserklärung nicht unterschrieben hatten.

"So konnte" – wie ein Beobachter feststellte – "aus einem am Rande des finanziellen Abgrunds stehenden Pharmahersteller, dessen Verhalten […] vom Landgericht Aachen als nicht schuldlos bezeichnet worden war, ein Stiftungsmäzen werden" – der, so ist zu ergänzen, vor weiterer Strafverfolgung für alle Zeiten gesetzlich geschützt wurde.

Aktuelles

Stiftung Anerkennung und Hilfe

Seit dem 1. Januar 2017 gibt es die Stiftung Anerkennung und Hilfe. Sie unterstützt Menschen, die als Kinder und Jugendliche in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe oder der Psychiatrie Leid und Unrecht erfahren haben und heute noch unter den Folgen leiden. Bund, Länder und Kirchen haben die Anmeldefrist für Betroffene um ein halbes Jahr verlängert. Betroffene können sich nun bis zum 30. Juni 2021 bei einer Anlauf- und Beratungsstelle anmelden. Für eine Anmeldung genügt ein Anruf oder eine E-Mail! Bitte helfen Sie mit bei der Verbreitung der Informationen über die Verlängerung der Anmeldefrist und die Stiftung Anerkennung und Hilfe. Weitere Informationen zur Stiftung können Sie diesem Dokument entnehmen.

Namensänderung der Stiftung

Der Vorstand der Conterganstiftung hat initiert, dass der Name der Stiftung geändert werden soll. Dazu hat der LV Hessen in einem Brief an die Ministerin Dr. Giffey Stellung bezogen.

Das 5. Conterganstiftungsänderungsgesetz ist rechtskräftig

Mit der Veröffentlichung am 18.8. ist das Conterganstiftungsänderungsgesetz endlich am 19.8.2020 rechtskräftig geworden. Damit haben alle bei der Conterganstiftung für behinderte Menschen anerkannte Leistungsempfänger die Sicherheit, dass die Entschädigung nicht mehr aberkann werden kann. Zusätzlich wurden Leistngen der Conterganstiftung für medizinische Kompetenzzentren ins gesetz aufgenommen, damit diese auch gefördert werden können.

5. Conterganstiftungs passiert Bundestag

Gestern wurde das Conterganstiftungsgesetz in 2. und 3. Lesung verabschiedet. Damit es in Kraft tritt muss es noch vom Bundespräsidenten unterschrieben werden.

Die Redebeiträge können auf der Seite des Bundestages gesehen werden:

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